Russland beendet ISS-Zusammenarbeit: Zeitenwende im All

Wann kommt die russische Raumstation?

Nun kündigte Borissow an, Roskosmos wolle nach 2024 eigene Wege gehen: “Ich denke, dass wir zu diesem Zeitpunkt mit dem Aufbau einer russischen Raumstation beginnen werden.” Dies sei die “oberste Priorität” des nationalen Raumfahrtprogramms. Zuvor hatte der Mitte Juli entlassene Roskosmos-Chef Rogosin nicht ausgeschlossen, das russische Modul vom amerikanischen Teil der ISS abzukoppeln und selbstständig weiterzubetreiben. Dabei deutete er auch eine mögliche Nutzung der Station zur militärischen Erdbeobachtung an.Rogosin hatte jedoch bereits im April 2021 bekannt gegeben, dass Roskosmos mit dem Bau einer eigenen Raumstation begonnen habe. Damals hieß es, die russische Raumstation solle in vier Jahren starten. Borissow – zu der Zeit noch Vize-Regierungschef – deutete einen Ausstieg aus dem ISS-Vertrag ab 2025 an und verwies dabei auf den schlechten technischen Zustand des Außenpostens. Arbeiten an der russischen Raumstation ROSS: Sie soll der neue Außenposten der russischen Raumfahrt werden. (Quelle: Roscosmos Press Office/TASS/imago-images-bilder)Dass die russische Raumstation bis 2025 aber fertiggestellt wird, scheint derzeit fraglich zu sein. Der Chefkonstrukteur des russischen Raketenbauers Energija, Wladimir Solowjow, sagte, dass das erste Modul für die neue russische Raumstation 2028 ins Weltall gebracht werden könnte. Borissow gestand gegenüber Putin ein, dass die russische Raumfahrtindustrie sich in einer “schwierigen Situation” befinde.

Sanktionen und Gegenmaßnahmen

Mehrere westliche Länder hatten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Sanktionen auch gegen die russische Raumfahrtindustrie verhängt – auf die Russland mit eigenen Entscheidungen reagierte:Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beendete die Kooperation mit Russland, danach kündigte auch Moskau diese seinerseits auf.Als Reaktion auf die westlichen Sanktionen setzte Russland die Lieferung von Raketentriebwerken an die USA aus. “Lasst sie auf ihren Besen ins All fliegen”, kommentierte Rogosin hämisch.Moskau zog auch das Personal vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guyana ab – dem einzigen eigenen Zugang der Esa in den Kosmos.Die Esa legte daraufhin das europäisch-russische Weltraumprojekt “Exomars” auf Eis. Roskosmos kündigte als Reaktion ein eigenes Mars-Forschungsprogramm an.Ex-Roskosmos-Chef Rogosin sagte im April, dass die Strafmaßnahmen den Betrieb des russischen Teils der Station beeinträchtigen würden, der für Kurskorrekturen zuständig ist. Als Folge könne die 500 Tonnen schwere Konstruktion auf die Erde stürzen und “ins Meer oder auf Land fallen”. Er forderte eine “vollständige und bedingungslose Aufhebung der illegalen Sanktionen”, um die Beziehungen zwischen den ISS-Partnern zu normalisieren.Mitte Juli einigten sich Russland und die Nasa dann auf sogenannte Kreuzflüge. Russische Raumfahrer starten dabei von amerikanischem Boden und andersherum, obwohl sich an den Sanktionen nichts geändert hat. Bereits bis 2020 waren US-Astronauten vom russischen Weltraumbahnhof in Baikonur in Kasachstan gestartet, danach setzte die Nasa auf Raumtransporter des privaten Unternehmens SpaceX. Russlands Kosmonauten hingegen waren zuletzt nur mit eigenen Raketen zur ISS geflogen.

Russische Kosmonauten feierten Kriegserfolge

Auch auf der Raumstation selbst war der Krieg zuletzt angekommen. Anfang Juli feierten russische Kosmonauten die Eroberung der ostukrainischen Stadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk. Roskosmos veröffentlichte ein Foto, das sie mit einer Flagge der selbst ernannten “Volksrepublik Luhansk” in den Händen zeigte. Russlands Truppen und prorussische Separatisten hätten Luhansk nun vollständig “befreit”, hieß es in einer angehängten Mitteilung. “Wir feiern auf der Erde und im Weltraum.” Ein zweites Foto zeigt die drei Raumfahrer mit einer Donezker Fahne.

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